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Schemata



Was ist ein Schema?

Es handelt sich um handlungsbestimmende Grundannahmen der Person über sich selbst und die Welt (bzw. Bezugspersonen): „Ein Schema ist ein Plan, der die Organisation von Wahrnehmung, Denken und Handeln ermöglicht“ (Eva Jaeggi). Es bildet sich in der Kindheit und Jugend aus und stellt eine realitätsbasierte Repräsentation der Umwelt des Kindes dar und tendiert dazu, sehr lange oder sogar während des gesamten Lebens aufrecht zu bleiben.

Die Schemaentstehung kann duch folgende Arten von frühen Erlebnissen gefördert werden:
• Schädigende Nichterfüllung von Bedürfnissen (z.B. Stabilität, Verständnis oder Liebe, Emotionale Entbehrung; Verlassenheit/ Instabilität)
• Traumatisierung oder Viktimisierung ( Misstrauen/ Missbrauch; Unzulänglichkeit/ Scham; Anfälligkeit für Schädigungen oder Krankheit)
• Zuviel des Guten ( Abhängigkeit/ Inkompetenz; Anspruchshaltung/ Grandiosität)
• Selektive Internalisierung oder die Identifikation mit wichtigen Bezugspersonen

Jeffrey E. Young beschreibt folgende 18 Schemata:

  • Verlassenheit/Instabilität: Beschreibt die Überzeugung, dass wichtige Beziehungen sowieso nicht halten werden, verbunden mit der ständigen Angst, von anderen verlassen oder im Stich gelassen zu werden. Die Betroffenen suchen sich oft Partner, die auch tatsächlich unzuverlässig sind.
  • Emotionale Entbehrung: Davon sind Menschen betroffen, die die meiste Zeit ihres Lebens (und ihrer Kindheit) niemanden hatten, der sich in ihre wahren Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse eingefühlt, und sich mit echtem Interesse und Einfühlsamkeit um sie gekümmert hat.
  • Misstrauen / Missbrauch: Die Betroffenen sind anderen gegenüber dauernd auf der Hut, weil sie befürchten, von anderen absichtlich verletzt oder missbraucht zu werden. Wenn jemand nett zu ihnen ist, sind sie sicher, dass er oder sie damit etwas Bestimmtes bezweckt.
  • Unzulänglichkeit / Scham: Diese Menschen haben das Gefühl, dass sie es niemals wert sein werden, von anderen Liebe, Aufmerksamkeit oder Respekt entgegengebracht zu bekommen, egal wie sehr sie sich bemühen.
  • Soziale Isolation: Diese Menschen haben das Gefühl, in keine Gruppe hineinzupassen und keine Verbindung zu anderen Menschen herstellen zu können.
  • Unterwerfung: Diese Menschen lassen in Beziehungen immer den anderen die Oberhand; es ist ihnen ungeheuer wichtig, anderen zu gefallen, um nicht zurückgewiesen zu werden.
  • Unerbittliche Standards: Beschreibt Menschen, die immer in allem der oder die Beste sein müssen, und sich permanent unter Druck fühlen, Dinge zu erledigen und Ziele zu erreichen. Ihre Beziehungen leiden darunter, dass sie sich dauernd selbst so unter Druck setzen.
  • Selbstaufopferung: Beschreibt Menschen, die sich schuldig fühlen, wenn sie die Bedürfnisse anderer nicht vor ihre eigenen stellen; typischerweise kümmern sie sich sehr intensiv um die ihnen nahe stehenden Menschen.
  • Abhängigkeit / Dependenz: Beschreibt Menschen, die sich oft hilflos fühlen und sich nicht imstande sehen, ohne Hilfe anderer Entscheidungen zu treffen oder Dinge anzupacken.
  • Anfälligkeit für Schädigungen oder Krankheit: Betrifft Hypochonder mit unrealistischen Krankheitsängsten oder Menschen, die sich dauernd vor Katastrophen (z.B. Naturkatastrophen oder schweren Unfällen) fürchten.
  • Verstrickung: Diese Menschen haben ein schwaches Gefühl für ihre eigene Identität; um sich vollständig zu fühlen, müssen sie sich permanent mit anderen Menschen "verstricken" oder an sie hängen.
  • Versagen: Betrifft Personen, die glauben, dass sie niemals Erfolg haben werden und dass sie weniger talentiert oder klug sind als nahezu alle anderen Menschen.
  • Ungenügende Selbstkontrolle: Beschreibt Menschen, die wenig Selbstdisziplin haben, und begonnene Aufgaben beim ersten kleinen Hindernis oder Frustrationserlebnis hinwerfen. Werden oft als Faulenzer wahrgenommen.
  • Grandiosität / Besonders sein: Beschreibt Menschen, die es hassen, eingeschränkt oder gebremst zu werden, weil sie der Ansicht sind, dass sie sich nicht um die Regeln und Konventionen kümmern müssen, die für andere Menschen gelten.
  • Streben nach Anerkennung: Die Betroffenen sind Menschen, denen es äußerst wichtig ist, bei anderen einen guten Eindruck zu hinterlassen; häufig legen sie größten Wert auf äußere Erscheinung und sozialen Status.
  • Negativität / Pessimismus: Beschreibt Menschen, die überall vor allem das Schlechte sehen (Enttäuschungen, Fehltritte, peinliche Situationen), und übermäßige Angst davor haben, fürchterliche und folgenschwere Fehler zu machen.
  • Emotionale Gehemmtheit: Die Betroffenen haben Angst davor, Gefühle zu zeigen oder spontan zu sein; stattdessen reden sie häufig ausführlich über Belanglosigkeiten und werden deshalb u. U. als Mauerblümchen wahrgenommen.
  • Strafneigung: Diese Menschen sind der Ansicht, dass auch kleinste Fehler bestraft werden müssen. Sie haben extreme Ansprüche an sich und andere und können weder gegenüber sich selbst noch gegenüber anderen Fehler vergeben oder Schwächen akzeptieren.
Prof. Berbalk hat die Schematherapie in Deutschland als erster publik gemacht und ein Ausbildungscurriculum entwickelt. Er hat zu den 18 Schemata von Young noch ein 19. hinzugefügt: unattraktiv.





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