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Vorgehen bei der Behandlung von Essstörungen


Für die Entscheidung einer stationären Behandlung wurden folgende Kriterien vorgeschlagen (Vanereycken & Meermann, 1984):

  • lebensbedrohliche Situation aufrgund von starkem Gewichtsverlust
  • starke Veränderungen körperlicher Funktionen (z.B. niedriger Blutdruck, Oligothermie)
  • pathologische Elektrolytveränderungen (insbesondere Hypokliämie)
  • häufige Infektionen bei extrem kachektischen Patientinnen oder
  • akute Suizidalität.

1. Gewichtssteigerungsprogramm bei Anorexia Nervosa



Es wird mit den Patienten ein Therapievertrag geschlossen zwecks der Erreichung eines Zielgewichtes. Empfohlen wird der BMI von 18, weil unter diesem Wert noch keine Rückbildungen der Störungen im zentralen Neurotransmittersystemen zu beobachten ist.

Zunächst erfolgt ein Selbstkontrollprogramm, so dass die Patientin die Gewichtszunahme in eigener Regie versuchen wird. Es wird folgender Kontrakt geschlossen:

  • Gewichtskontrollen zweimal wöchentlich
  • Gewicht darf nicht unetr das Aufnahmegewicht absinken
  • pro Woche mindestens eine Gewichtszunahme von 700 g, ein Maximum von 3000 g soll nicht überschritten werden
  • keine spezielle Diät
  • es wird in der Klinik ohne Beobachtung oder Kontrolle durch Therapeuten gegessen
  • kann in Essprotokollen dokumentieren
  • wöchentliche Belohnungen für die Gewichtssteigerungen können vereinbart werden

Wenn das na zwei aufeinanderfolgenden Wochen nicht gelingt greift das Fremdkontrollprogramm in drei Phasen:

  • Phase 1: Vereinbarungen: auf dem Zimmer essen, soll soweit wie möglich aufessen; Wiegen täglich in Unterwäsche, Keine telefonat und Besuche eralubt, mit Ausnahme Wochenende; Station darf nur für Therapien verlassen werden
  • Phase 2: bis zum Erreichen von zwei Dritteln der Differenz zum Zielgewicht: Mahlzeiten im Speiseraum unter Supervision durch Pflegekraft, Wiegen dreimal die Woche, Aufenthalt in gesamter Klinik, nach Absprache kann Klinik verlassen werden
  • Phase 3: bis zum Erreichen des Zielgewichtes: ohne Supervision Mahlzeiten im Speiseraum, Wiegen dreimal wöchentlich, Keine Einschränkungen in Bewegungsfreiheit

Wenn die Bedingungen in den Phasen nicht erfüllt werden, erfolgt eine Rückstufung auf die Vorphase. In Phase 1 erhält die Patientin dann dreimal täglich hochkalorische Flüssigkeit (z.B. Biosorp). Die Einschränkungen werden dann aufgehoben, wenn das Kriterium der Gewichtszunahme in 2 aufeinanderfolgenden Wochen erfüllt ist.

Im Anschluss an dieses reine Symptommanagement und die Symptomheilung geht es um die Hintergründe der Störung. Dazu wird die Bedürfnisanalyse eine zentrale Rolle einnehmen, um dann die Aktualisierungen in Beziehungssituationen des Alltags zu fokussieren, verstehen und neue Wege zu finden.


2. Ernährungsmanagment bei Bulimia nervosa



Ziel ist das Essverhalten zwischen den Heißhungerattacken so zu verändern, dass keine physiologischen und psychologischen Deprivationszustände mehr auftreten, die heißhungerattacken begünstigen können.

Die Patienten sollen ein Ernährungsprotokoll führen und diese Daten werden mit ausführlichen Informationen zum gezügelten Basisessverhalten und den Zusammenhang zur Aufrechterhaltung der Bulimie verbunden. Dies hat zum Ziel, dass die Patient die Zusammenhänge versteht und sich auf den Therapieprozess einlassen kann.

E werden in einem Therapievertrag ein Tag, später mehrere Tage festgelegt, an denen strukturiert gegessen wird, an denen nicht erbrochen wird und keinerlei Maßnahmen zur Gewichtskontrolle ergriffen werden. Eine Belohnung für einen erfolgreich gelebten strukturierten Esstag wird festgelegt.

 

3. Langfristige Strategien bei Anorexia und Bulimia nervosa



Es soll sich dann ein Training sozialer Kompetenzen anschließen sowie Kommunikations- und Problemlösetrainings, um in den belastenden Auslösesituationen alternative und angemessene Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Im Anschluss an dieses reine Symptommanagement und die Symptomheilung geht es um die Hintergründe der Störung. Dazu wird die Bedürfnisanalyse eine zentrale Rolle einnehmen, um dann die Aktualisierungen in Beziehungssituationen des Alltags zu fokussieren, verstehen und neue Wege zu finden.

(siehe Laessle et al., 1996)





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