© 2003-2019 Dr. Sirko Kupper - 17.11.2019 - www.drkupper.de


Vorgehen bei der Behandlung von Angststörungen


Die Darstellung zur Behandlung der Angststörungen wurde unterteilt in die Behandlung von Panikanfällen und auf die Behandlung der Agoraphobie.


Behandlung von Panikanfällen


In der Behandlung von Panikanfällen stehen drei Therapieschritte im Zentrum:

  1. Informationsvermittlung
  2. kognitive Therapie
  3. Konfrontation mit angstauslösenden Reizen

Das Ziel der Behandlung besteht nicht nur darin, die Angst des Patienten zu reduzieren, sondern ihm Strategien und Fertigkeiten zu vermitteln, die er auch im Sinne des Selbstmanagmentansatzes selbständig einsetzen kann.

Zunächst wird ein glaubwürdiges Erklärungsmodell als Grundlage für die Behandlung der Ängste vermittelt. Dies entlastet zunächst die Betroffenen, weil für manche der Prozess der Angstentstehung schwer nachvollziebar ist und zum Teil auch die Befürchtung existiert, an einer schweren körperlichen Erkrankung zu leiden. Kern dieses Erklärungsmodells bildet er Teufelskreis bei Angstanfällen, der den typischen Aufschaukelungsprozess, der während der Angstanfälle auftritt plausibel zusammenfasst. Er ist folgendermaßen aufgebaut: es treten äußere Reite auf, die wahrgenommen werden und als Gefahr bewertet werden (Oh, Gott, was ist passiert?, Ich bin merkwürdig., Angst verrückt zu werden), was sofort mit dem aufgrufenen Gefühl der Angst beantwortet wird. Nun treten physiologische Veränderungen (Hormonausschüttungen) und körperliche Empfindungen (mulmiges Gefühl) auf. Durch systematisches Nachfragen soll der Patient angeleitet werden das Modell selbst zu entdecken, was die Compliance für die nachfolgenden Konfrontationstechniken entscheidend vergrößert. Trotz der "spontan" auftretenden Anfälle wird mit dem Patienten erarbeitet, dass der gemeinsame Nenner seiner Propbleme die "Angst vor der Angst" darstellt.

Nun werden die weiteren Behandlungsschritte aus dem entworfenen Erklärungsmodell begleitet. Die Korrektur der Fehlinterpretationen, die letztlich das Eingangstor in die Katastrophisierung und Dramatisierung im Rahmen des Angstkreislaufes darstellen, erfolgt nach folgenden 8 Schritten:

  • Identifikation der Fehlerinterpretation
  • Einschätzung des Ausmaßes, in dem der Patient von dieser Fehlinterpretation überzeugt ist (Analogskala 0-100%)
  • Sammeln aller Daten, die für die Fehlinterpretation sprechen
  • Sammeln aller Daten, die gegen die Fehlinterpretation sprechen
  • Erstellen einer alternativen Erklärung (...Ihre bisherige Annahme kann nur eine Seite erklären, wir brauchen aber eine Erklärung für alles...)
  • Sammeln der Daten, die für die alternative Erklärung sprechen
  • Überzeugungsrating für die Fehlinterpretation
  • Überzeugungsrating für die alternative Erklärung.

Beim Durchgehen dieser Schritte ist vor allem Geduld wichtig, der Patient sollte nicht gedrängt werden.

In Verhaltensexperimenten erfolgt nun ebenfalls die Korrektur der Fehlinterpretationen. Wenn z.B. die Angst besteht im Kaufhaus in Ohnmacht zu fallen, so wird dies durch einen Besuch im Kaufhaus überprüft. Auch weitere Konfrontationsübungen können in diesem Zusammenhang sinnvoll sein. Nur sind dies eben andere Konfrontationsübungen als bei der Behandlung von Phobien (wo externale Reize im Zentrum stehen). Z.B. die Stimulation von Hyperventilation, um Herzklopfen, Atemnot und Schwindel auszulösen und festzustellen, dass diese Situation bewältigt werden kann. Andere Verhaltensexperimente können Treppensteigen, Kniebeugen oder Joggen sein, um diese internalen Reize auszulösen und dann auszuhalten lernen und feststellen, dass nichts Katastrophales passiert.

Schließlich geht es auch noch darum den Wunsch nach 100% Sicherheit zu fokussieren, der zwar nachvollziebar ist, aber ad absurdum geführt wird. Er soll dazu die Situation konsequent zu Ende denken oder eine Kosten-Nutzen-rechnung anstellen lassen.

 

Behandlung von Agoraphobie


Das Grundprinzip der Behandlung von phobischem Vermeidungsverhalten ist die Konfrontation mit auslösenden Situationen ("Exposure"). Zunächst erfolgt eine kognitive Vorbereitung mit Erstellung eines Erklärungsmodells für die Angstsymptomatik aus Beispielen der Anamnese heraus und typischen individuellen Symptomen, Verhaltensweisen, Befürchtungen usw. Dem Patienten sollte deutlich werden, dass das Vermeidungsverhalten zentral für die Aufrechterhaltung der Ängste ist und diese stabilisiert. Dem Patienten wird dann das Therapieprogramm mit massierter Reizkonfrontation erklärt und bemerkt, dass die Fluchttendenzen des Patienten nicht unterstützt werden können vom Therapeuten, weil dies einem Kunstfehler gleichkäme und die Symptomatik weiter aufrechterhielte. Die eigentliche Phase der massierten Reizkonfrontation wird über einen Zeitraum von 5-10 aufeinanderfolgenden Tagen durchgeführt. Täglich werden 6-8 Stunden die angstbesetzten Situationen durch den Patienten aufgesucht. Die einzelnen Konfrontationssituationen werden konkret und detailliert mit dem Patienten geplant. Der Patient wid instruiert, solange in der Situation zu bleiben, bis die Angst "von selbst" geringer wird, ohne zu versuchen, die Angst zu unterdrücken oder sich abzulenken. Der Therapeut begleitet im Sinne der Sicherheitssignaltheorie nur anfangs. Schließlich wird der Prozess vollständig in die Selbstkontrollphase übergeben mit der Betonung, dass es um die Vermittlung von Fertigkeiten geht, die der Patient selbständig bei wieder auftretenden Ängsten einsetzen können soll.

 

Im Anschluss an dieses reine Symptommanagement und die Symptomheilung geht es um die Hintergründe der Störung. Dazu wird die Bedürfnisanalyse eine zentrale Rolle einnehmen, um dann die Aktualisierungen in Beziehungssituationen des Alltags zu fokussieren, verstehen und neue Wege zu finden.

(siehe Margraf, Lehrbuch der Verhaltenstherapie, 1996)





Weisheiten

Zitate