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Zen



Was ist Zen

Das Wort Zen ist japanisch, wie Zen selbst japanisch ist. Es stammt vom chinesischen chan, was eine Transliteration des Sanskritwortes dhyana ist, und so viel wie Versenkungsmethode (Meditation) bedeutet (koreanisch "Son", vietnamesisch "Thien"). Man kann also schon allein vom Namen dieser Art des Buddhismus auf sein wichtigstes Werkzeug, die Meditation, schließen.

Der Zen-Buddhismus ist ein philosophischer Glaube ohne Gott. Trotzdem sind seine Anhänger keine Atheisten im klassischen Sinn. Die Weltanschauung ähnelt zwar dem Pantheismus, verzichtet allerdings auf dessen religiöse Attribute. Dementsprechend lautet eine der Kernaussagen: " Eins ist alles und alles ist eins!" Zen ist keine Religion im herkömmlichen Sinne, denn es gibt weder eine festgeschriebene Lehrmeinung noch ein Dogma. Seinem Wesen nach ist Zen deshalb auch mit der modernen Wissenschaft kompatibel. Es kann als eine Art "missing link" zwischen Religion und Atheismus angesehen werden, denn es bildet keinen Graben sondern schafft eine Verbindung.

Oft wird gesagt, dass Zen "nichts" biete: keine Lehre, kein Geheimnis, keine Antworten. In einem Koan spricht der Zen-Meister Ikkyu Sojun zu einem Verzweifelten:
"Ich würde gerne irgend etwas anbieten, um Dir zu helfen, aber im Zen haben wir überhaupt nichts."
Es bedeutet, das Leben zu leben – in seiner ganzen Fülle. Der unmittelbare Zugang zu diesem Einfachsten von allem ist dem Verstandeswesen Mensch jedoch versperrt – es scheint so, als ob die niemals schweigende Stimme der Gedanken ihn durch hartnäckige Ideen und urteilende Vorstellungen blockiere. Die permanente Beschäftigung mit sich selbst, die schützende Ich-Bezogenheit jedes Einzelnen verursacht immer wieder nur neues Leiden (Dukkha). Zen kann diese Verwirrung lösen – zuletzt vermag man sogar zu essen, wenn man hungrig ist, zu schlafen, wenn man müde ist. Zen ist nichts Besonderes. Es hat kein Ziel.
Die Charakterisierung, Zen biete "nichts", wird gerne von Zen-Meistern gegenüber ihren Schülern geäußert, um ihnen die Illusion zu nehmen, Zen biete erwerbbares Wissen oder könne etwas "Nützliches" sein.

Worauf kommt es im Zen an? Zen-Meister Sosan ( 6. Jh. n. Chr.):

" Selbst wenn unsere Worte genau
Und unsere Gedanken richtig sind,
Entsprechen sie doch nicht der Wahrheit.

Wenn wir Sprache und Denken aufgeben,
Können wir über alles hinausgehen,
Wer Sprache und Denken nicht zurücklassen kann,
Wie kann der den WEG verstehen? "

In China gab es einen berühmte ZEN-Meister. Ein erfahrener Schüler wollte ihn konsultieren, ob er nicht doch schon Erleuchtung erreicht hätte. Er kam also rein in das Gebäude zum Meister verneigte sich ... da fragte ihn der Meister, ob er seinen Stock links oder rechts vom Eingang (oder seinen Schuhen) abgestellt hatte. Der Schüler verzweifelte an der Antwort und erkannte, dann er noch nicht bewusst genug handelte, um auch das Fortstellen des Stocks mit genug Bewusstheit vollzogen zu haben.

Meditation ist überhaupt die wichtigste Methode im Zen-Buddhismus, denn das japanische Wort "Zen" bedeutet nichts anderes als "Meditation".

"Um die Zen-Erleuchtung zu erlangen," sagen die Zen-Meister, "brauchst du nicht deine Familie aufzugeben, deine Arbeit zu verlassen, Vegetarier zu werden, Askese zu üben oder in die Einsamkeit zu fliehen", sondern nur "Zen unmittelbar da zu verwirklichen, wo du bist" (Ying-An, in: T.Cleary: Der Mond scheint auf alle Türen, Bern 1992, S. 15).

"Zen ist nichts Spirituelles - Zen wird mit dem Körper praktiziert.
Satori vollzieht sich nicht in deinem Kopf. Satori wird mit dem Körper ausgeübt. Es bedeutet, sich in der Haltung Buddhas zu üben. Was sich "spirituell" nennt, ist nur mit Vorsicht zu genießen. Zen-Praxis muss beim Körper anfangen. Der Geist drückt sich im Körper aus - oder besser gesagt: In der Lebenseinstellung."
Sawaki Kôdô Rôshi

"Die Gelassenheit im Zen bedeutet nicht, daß das Leben nur noch an einem vorbeizieht. Nein, im Gegenteil: aus meiner persönlichen Erfahrung heraus ist Zen etwas für Genießer, eine Kunst des "savoir vivre", Lebenskunst im Alltag. Dies bedeutet natürlich nun nicht, in schrankenlosem Genuss, vielleicht sogar noch auf Kosten anderer, den Sinn des Lebens zu sehen."
Günter Weber

"Zen ist von jeder anderen Form des Buddhismus, ja man möchte sagen von jeder anderen Religionsform auffallend verschieden, und übt einen eigentümlichen Zauber auf ein Denken aus, das der herkömmlichen Religion und Philosophie müde ist.

Von allem Anfang an verzichtet Zen auf jede Form von Theoretisieren, lehrhaften Unterricht, jegliche Dogmatik. All das behandelt es als bloße Sinnbilder der Weisheit, Zen gründet sich auf Praxis und auf unmittelbares , persönliches Erleben der Wirklichkeit. Die wesentliche Aufgabe besteht in der Meisterung des Denkens, was letztendlich im SATORI (Erleuchtung ) gipfelt, wobei die Trennung von Subjekt und Objekt plötzlich verschwindet und die Einheit, das Nichtgetrenntsein als lebendige Wahrheit erkannt wird. Im Zen gibt es keine Zweiheit von Himmel und Erde, Natürlichem und Übernatürlichem, Menschen und Gott, Stofflichem und Geistigem, Sterblichem und Unsterblichen, denn es ist des Menschen eigene Vorstellung, die den Unterschied bewirkt. SATORI ist die Verwirklichung unseres ureigenen, innersten Wesens."
(Aus: Die drei Pfeiler des Zen/ Phillip Kapleau)

Um dies zu erreichen, haben die Zenmeister eine Meditationstechnik ( ZA-ZEN ) entwickelt, die den Schüler befähigt, den Körper zu lockern, schweifende Gedanken loszulassen und seine Konzentrationsfähigkeit zu entwickeln.
ZA-ZEN bezweckt ganz einfach, eine Distanz zum inneren Dialog zu schaffen, die zwanghafte Identifikation mit unseren Meinungen, Vorstellungen und Gefühlen zu lösen, alte Prägungen loszulassen, und dadurch fähig zu werden, innerlich völlig frei und spontan im HIER und JETZT zu leben .

Die drei erklärten Ziele des ZA-ZEN


1.Entwicklung der Konzentrationskraft (Joriki)
2.SATORI-Erwachen (Kensho-godo)
3.Verwirklichung des erhabenen Weges im täglichen Leben (mujodo-no taigen) sind unauflöslich miteinander verbunden und stehen miteinander in ständiger Wechselwirkung.

Wenn wir regelmäßig, dh. täglich mindestens 1/2 Stunde SITZEN, spüren wir unweigerlich die heilsamen Auswirkungen dieser Praxis, werden innerlich ausgeglichener.
Wir bauen immer mehr die Identifikation mit unserem "inneren Dialog" ab, sehen Worte immer mehr als das, was sie eigentlich sind, eben als Worte, nicht mehr und nicht weniger. Wir machen die Entdeckung, dass uns die Worte anderer nur so weit tangieren können wie wir es selbst zulassen wollen.
Denkmuster wie: "und wenn ich dies sage, wird sie/er womöglich glauben, dass..."oä, werden als Fiktionen entlarvt und beeinflussen nicht länger die eigene Verhaltensweise.
Ängste werden abgebaut und wir verwurzeln uns immer fester und vertrauensvoller in der Gegenwart.
Alter, längst vergessen geglaubter "emotionaler Müll" steigt an die Oberfläche, wird ein letztes Mal konfrontiert und kann sich plötzlich in "nichts" auflösen.( das kann mitunter recht unangenehme Begleiterscheinungen nach sich ziehen, wie z.B. Zittern, Weinen, Wut- oder Hilflosigkeitsgefühle, Schmerzen an allen möglichen Körperstellen, Müdigkeit, Langeweile, sofort zu sitzen-aufhören-wollen uvm.
Die besten Erfahrungen habe ich in solchen Fällen gemacht, wenn ich bereit war, das jeweilige Gefühl voll zu erleben, und währenddessen einfach weiterGESESSEN bin. Da kommt dann plötzlich der Punkt, an dem von einer Sekunde bis zur anderen alle Schwierigkeiten wie weggeblasen sind, und sich eine unendliche Ruhe und Leichtigkeit über alles ausbreiten.
Mit der Zeit beginnt sich diese Leichtigkeit auch in unserem täglichen Leben auszuwirken, es entwickelt sich der typische " Zenhumor", der denen eigen ist, die schon lange praktizieren.
Des weiteren entsteht echtes Mitgefühl mit allen Wesen, die uns umgeben, wir werden sensibler und einfühlsamer.
All diese Veränderungen geschehen mit der Zeit von selbst, ohne eigenes Zutun, Voraussetzung ist allerdings die regelmäßige ZAZEN-Übung(!)

Geschichte

Entwickelt hat sich Zen (chin.: Chan) aus dem Mahayana-Buddhismus, dem Taoismus und dem Konfuzianismus. Der Überlieferung nach kam Zen, im 6. Jahrhundert, mit dem indischen Mönch Bodhidharma nach China. Dogen Zenji (1200 - 1253) brachte dann die Praxis des Zazen (Za = sitzen); (Zen = Versenkung) von China nach Japan. Er ist einer der wichtigsten Meister des japanischen Zen und vertritt eine Praxis, die sich Schritt für Schritt entwickelt. Eine der Grundlagen dieser Praxis ist Zazen, eine Meditationsform im Sitzen, welche auf Buddha zurückgeht. Man sitzt mit gekreuzten Beinen und in aufrechter Haltung auf einem Kissen; sobald der Atem gleichmäßig wird, lässt man auch den Geist ruhen (Shikantaza). Auftauchende Bilder und Gedanken versucht man nicht festzuhalten, sondern lässt sie vorüberziehen wie die Wolken am Himmel. Auf diese Weise kann sich der Geist entleeren und kehrt so in seine ursprüngliche, ungetrübte Verfassung zurück. Zen sagt, man soll sich von allen Anhaftungen und Konditionierungen, d.h. von dualistischen und vorgeprägten Vorstellungen, freimachen, weil man nur so die Dinge in ihrer ursprünglichen Klarheit sehen kann.

 


Die Praxis des Zen

Ein Zenmeister des 11. Jahrhunderts, Yüan-wu, bringt das Wesen der Zen-Erfahrung auf den Punkt, indem er sagt

"Mach dich einfach innerlich leer und bring dich in Übereinstimmung mit dem Äusseren. Dann wirst du auch im hektischen Treiben der Welt in Frieden sein."

Die Praxis besteht zum einen aus Zazen (von jap.: Za- [sitzen]; Zen- [Versenkung]), dem Sitzen in Versunkenheit auf einem Kissen. In der äußeren Haltung sind dabei die Beine in einander geschlagen wie beim Lotus-Sitz im Yoga. Der Rücken ist gerade, aber vollkommen entspannt, und die Hände sind entspannt ineinander gelegt, wobei sich die Daumenspitzen leicht berühren. Die Augen bleiben halb geöffnet, der Blick bleibt entspannt ohne Umherschweifen zum Boden gesenkt. Ein anderer, ebenso wichtiger Teil der Zen-Praxis besteht aus der Konzentration auf den Alltag. Dies bedeutet einfach nur, dass man sich auf die Aktivität, die man gerade in diesem Augenblick ausübt, vollkommen konzentriert, ohne dabei irgendwelchen Gedanken nachzugehen.

Zen ist der weglose Weg, das torlose Tor. Die dem Zen zugrundeliegende große Weisheit (Prajna) braucht gemäß der Lehre nicht gesucht zu werden, sie ist immer schon da. Vermöchten die Suchenden einfach nur ihre permanenten Anstrengungen aufzugeben, die Illusion der Existenz eines "Ich" aufrechtzuerhalten, würde sich Prajna unmittelbar einstellen.
Realistisch gesehen ist das Beschreiten des Zen-Wegs jedoch eines der schwierigeren Dinge, die in einem menschlichen Leben unternommen werden können. Den Schülern wird die Bereitschaft zur Aufgabe ihres selbstbezogenen Denkens und letztlich des Selbst abverlangt. So dauert der Übungsweg gewöhnlich mehrere Jahre, bevor die ersten Schwierigkeiten überwunden sind. Dabei behilflich sind die R?shi genannten Lehrmeister. Der Weg ist allerdings stets zugleich auch das Ziel, im Üben ist die Erfüllung stets gegenwärtig.
Primäre Aufgabe des Zen-Schülers ist die fortgesetzte, vollständige und bewusste Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments, eine vollständige Achtsamkeit ohne eigene urteilende Beteiligung (Samadhi). Diesen Zustand soll der Zen-Schüler nicht nur während des Zazen, sondern möglichst in jedem Augenblick seines Lebens beibehalten.

Beim Zazen geht es nicht darum, dass wir die Gedanken, die uns ständig – meist unbewusst - durch den Kopf gehen, auszuschalten versuchen. Es geht einfach darum, dass wir unsere Gedanken bewusst betrachten, beobachten, und sie wie die Wolken am Himmel vorüberziehen lassen, indem wir uns nicht mit ihnen identifizieren. Darum geht es, wenn Zenmeister Yüan-wu vom Leerwerden spricht. Es geht um das Loslassen all unserer Vorstellungen, unserer Konditionierungen. Wir alle sind ja von unendlich vielen dualistischen Vorstellungen geprägt und merken es meist gar nicht. Dann sagen wir: "Dies ist so und so", weil wir es eben so gelernt haben. Doch im Zen gelangen wir dahin, unsere vorgeprägten Vorstellungen loszulassen, weil sie uns daran hindern, die Wirklichkeit zu erkennen. Zen ist keine Religion, sondern das innerste Wesen jeder Religion. Deshalb bedeutet es für einen Zen-Ausübenden keinerlei Schwierigkeit, die Worte Jesu als wahr und wesenhaft anzuerkennen, wenn er z.B. sagt:

"Ihr werdet die Wahrheit (besser übersetzt: die Wirklichkeit) erkennen, und die Wirklichkeit wird euch frei machen!" (Johannes 8,32).

Wer die Wirklichkeit erkennt, der wird wahrhaft frei. Wir alle sind zumeist daran gewöhnt, auf ein Ziel zuzusteuern, das irgendwo weit von uns in der Ferne liegt. Doch Zen will uns dahin führen, uns bewusst zu werden, dass wir dort, wo wir sind, im Hier und Jetzt, mittendrin in der Wirklichkeit sind. Dies wird in folgender Begebenheit zum Ausdruck gebracht:

Ein Mönch kommt zu Zen-Meister Joshu und sagt: "Meister, ich bin noch neu hier im Kloster und möchte euch bitten, mich zu unterweisen." Joshu fragt ihn: "Hast du schon gefrühstückt?" Der Mönch antwortet: "Ja, Meister." "Gut", erwidert Joshu, "dann geh und wasch deine Eßschalen."

Joshu brachte damit dem Mönch gegenüber zum Ausdruck, dass er gerade dort, wo er sich befindet und bei welcher Tätigkeit auch immer, mittendrin in der einen Wirklichkeit steht. Der Mönch wird höchstwahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht begriffen haben, was ihm der Meister damit sagen wollte. So dient der Meister dem Schüler sozusagen als lebendiges Koan. Zur eigentlichen Bedeutung dieses Koans aber gelangt der Schüler nicht, indem er versucht, es mit seinem menschlichen Verstand zu lösen, sondern indem er zu einer Transzendierung seines Verstandes gelangt. Mit anderen Worten ausgedrückt: indem er seinen menschlichen Verstand übersteigt, wird er sich seines eigentlichen geistigen Wesens bewusst und gelangt damit zur alleinigen Wirklichkeit, die von jeher da ist.

Die Wirklichkeit liegt also gewissermaßen direkt unter unseren Füßen. Deshalb führt Zen-Meister Zensho W. Kopp aus:

"Aus dem Grund lege ich beim Kin-hin (dem Za-Zen im Gehen) immer besonderen Wert auf absolute Präsenz, wenn du deine Füße auf den Boden aufsetzt. Laufe wie ein Tiger im Dschungel, lautlos mit sicherem Schritt, den Schwerpunkt in den Unterleib verlagert. Sei voller Energie und Stabilität, und bleibe doch gelöst und entspannt. Nimm ganz bewusst die Berührung der Fußsohlen mit dem Boden wahr. Stirb hinein in jeden Schritt! Denke nicht an den vorausgegangenen und nicht an den nachfolgenden. Wesentlich ist nur dieser eine Schritt, jetzt-hier, und dann dieser Schritt, und dann dieser Schritt – und sonst nichts. Nur dies."

Wenn wir Kin-hin in diesem Sinn, in voller Präsenz, ausüben, wird uns dies zu einer unschätzbaren Hilfe für unseren Weg überhaupt werden. Dann können wir die Wahrheit jener Worte Meister Zensho W. Kopps begreifen:

"Den Weg zu gehen bedeutet, sich auf die Wirklichkeit des Hier und Jetzt einzulassen. Denn da die Wirklichkeit die allumfassende Ganzheit ist, umfasst sie alle drei Zeiten – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – in einem einzigen HO. Das ist das ‚Jetzt. Hier fällt alles in einem Punkt zusammen. Aus dem Grund sagt Joshu: ‚Geh, und wasch deine Eßschalen. Mit anderen Worten: Steh hier nicht so nutzlos herum, und plappere nicht so dumm daher, sondern tu das, was die augenblickliche Situation erfordert. Dies ist weit besser als eine Diskussion auf falschen Begriffen aufzubauen, das heisst, gehirnakrobatische Verrenkungen zu fabrizieren und intellektuellen Sperrmüll aufzuhäufen. Denn alles begriffliche Denken ist eine irrtümliche Meinung, und das Nichtbezweifeln von Worten ist eine große Krankheit."

Den Höhepunkt des Ablaufs in einem Zen-Kloster bzw. einer Zen-Gemeinschaft stellt das Sesshin dar, das in regelmäßigen Abständen durchgeführt wird. Während eines Sesshins widmen sich die Praktizierenden der meditativen Versenkung. Nach einer unterschiedlich langen Periode des Sitzens in Versenkung, im Zazen, das 20 Minuten bis zu 50 Minuten dauern kann, folgt das meditative Gehen, Kin-hin, das dann wiederum vom Zazen abgelöst wird. Zu gegebener Zeit erfolgt eine längere Unterweisung durch den Meister.

In der Pause kann auf Wunsch des Schülers Dokusan genommen werden. Das jap. Wort Dokusan bedeutet: allein zu einem Höheren gehen. In dieser Zeit erhält der Schüler in einem extra Raum die Gelegenheit, dem Meister oder auch einem vom Meister beauftragten Zen-Lehrer Fragen zu stellen und seine Probleme vorzubringen. Die Antworten, die der Schüler erhält, dienen seiner inneren Klärung.

Zen-Geschichten:

Ein alter Zen-Meister, bei dem nur noch ein Mönch lebte, züchtete Pferde. Eines Tages lief sein wertvollster Hengst davon. Die Nachbarn kamen, um ihr Bedauern auszudrücken, doch der Zen-Meister sagte nur: "Woher wißt ihr, daß dies ein Unglück ist ?" Am nächsten Tag kam der Hengst, begleitet von einigen Wildpferden zurück, und die Nachbarn kamen wieder, um zu dem Glücksfall zu gratulieren, doch der Zen-Meister sagte nur: "Woher wißt ihr, daß dies ein Glücksfall ist ?" Am nächsten Tag wurde der Mönch beim Versuch, eines der Tiere zuzureiten, abgeworfen und brach sich ein Bein. Wieder kamen die Nachbarn, um ihr Mitleid zu bekunden, doch der Zen-Meister sagte nur: "Woher wißt ihr, daß dies ein Unglück ist ?" Kurz darauf kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen, doch da der Mönch verletzt war, wurde er nicht als Soldat einberufen. Doch wer weiß schon, ob es ...

Ein Zen-Schüler der die Erleuchtung suchte beklagte sich bei seinem Meister ständig darüber, daß dessen Erläuterungen unvollständig seinen und der Meister ihm irgendeinen entscheidenden Hinweis vorenthalte. Der Meister versicherte, daß er ihm nichts vorenthalte. Der Schüler bestand darauf, daß es etwas gebe, was der Meister ihm vorenthalte. Der Meister bestand darauf, daß er ihm rein gar nichts vorenthalte. Etwas später gingen die beiden auf einem Pfad durch die Berge spazieren. Plötzlich sagte der Meister: "Riechst Du den Duft des Berglorbeers?" Der Schüler sagte "Ja." "Siehst Du," antwortete der Meister, "ich enthalte Dir gar nichts vor."

Ein junger Mann suchte einen Zen-Meister auf. "Meister, wie lange wird es dauern, bis ich Befreiung erlangt habe ?" "Vielleicht zehn Jahre", entgegnete der Meister. "Und wenn ich mich besonders anstrenge, wie lange dauert es dann ?", fragte der Schüler. "In dem Fall kann es zwanzig Jahre dauern", erwiderte der Meister. "Ich nehme aber wirklich jede Härte auf mich. Ich will so schnell wie möglich ans Ziel gelangen", beteuerte der junge Mann. "Dann", erwiderte der Meister, "kann es bis zu vierzig Jahre dauern."

Einige Würdenträger der Stadt waren in einem Zen-Kloster zu einem einfachen Mal geladen. Um den Zen-Meister zu beeindrucken, unterhielten sie sich über höchst spirituelle Themen, über Wiedergeburt und Karma. Schließlich ergriff der Bürgermeister das Wort: "Verehrter Meister, uns würde vor allem Ihre Meinung zum Thema Wiedergeburt interessieren". Der Meister schaute von seinem Teller auf und sagte: " Haben Sie schon gekostet ? Der Rettich schmeckt ausgezeichnet."

Zen-Meister Bokaju wurde einst von einem Mönch gefragt: "Wir müssen uns jeden Tag anziehen und essen; wie können wir von all dem loskommen?" Bokaju antwortete: "Wir ziehen uns an; wir essen." Der Mönch sagte: "Das verstehe ich nicht." Da sagte Bokaju:"Wenn Du es nicht verstehst, zieh Deine Kleider an und iß Deine Mahlzeiten."

Drei heilige Männer gingen zusammen auf Reisen. Der eine war ein indischer Yogi, der zweite ein Sufi-Derwisch, der dritte ein Zen-Mönch. Unterwegs kamen sie zu einem kleinen Fluss. Die Brücke, die ursprünglich darüber führte, war vom Schmelzwasser weggespült worden. «Ich zeige euch, wie man einen Fluss überquert», sagte der Yogi - und ging doch tatsächlich hinüber, und zwar direkt auf der Wasseroberfläche! «Nein, nein, so macht man das nicht», sagte der Derwisch. «Passt gut auf, Freunde.» Er fing an, sich im Kreis zu drehen, schneller und schneller, bis er nur noch ein verwaschener Fleck aus konzentrierter Energie war, und ganz plötzlich - peng! - sprang er ans anderer Ufer. Der Zen-Mönch stand da und schüttelte den Kopf. «Ihr Dummköpfe», sagte er, «ich zeige euch, wie man einen Flussnüberquert.» Und damit hob er sein Gewand an und watete vorsichtig durch den Fluss.

Ein Zen-Schüler fragte seinen Roshi: »Was ist das Wichtigste im Zen?« "Aufmerksamkeit",, erwiderte der Roshi. Ach, vielen Dank, sagte der Schüler. Aber kannst du mir das Zweitwichtigste verraten? Und der Roshi antwortete: "Aufmerksamkeit".

Milarepa hatte überall nach Erleuchtung gesucht, aber nirgends eine Antwort gefunden, bis er eines Tages einen alten Mann langsam einen Bergfpad herabsteigen sah, der einen schweren Sack auf der Schulter trug. Milarepa wußte augenblicklich, daß dieser alte Mann das Geheimnis kannte, nach dem er so viele Jahre verzweifelt gesucht hatte. »Alter, sage mir bitte, was du weißt. Was ist Erleuchtung?« Der alte Mann sah ihn lächelnd an, dann ließ er seine schwere Last von der Schulter gleiten und richtete sich auf. »Ja, ich sehe!« rief Milarepa. Meinen ewigen Dank! Aber bitte erlaube mir noch eine Frage: Was kommt nach der Erleuchtung? Abermals lächelte der Mann, bückte sich und hob seinen schweren Sack wieder auf. Er legte ihn sich auf die Schulter, rückte die Last zurecht und ging seines Weges.

Ein Professor wanderte weit in die Berge, um einen berühmten Zen-Mönch zu besuchen. Als der Professor ihn gefunden hatte, stellte er sich höflich vor, nannte alle seine akademischen Titel und bat um Belehrung. "Möchten Sie Tee?" fragte der Mönch. Ja, gern, sagte der Professor. Der alte Mönch schenkte Tee ein. Die Tasse war voll, aber der Mönch schenkte weiter ein, bis der Tee überfloß und über den Tisch auf den Boden tropfte. "Genug! rief der Professor". Sehen Sie nicht, daß die Tasse schon voll ist? Es geht nichts mehr hinein. Der Mönch antwortete: Genau wie diese Tasse sind auch Sie voll von Ihrem Wissen und Ihren Vorurteilen. Um Neues zu lernen, müssen Sie erst Ihre Tasse leeren.

Eines Tages drang ein Dieb in die Hütte des Zen-Meisters Shichiri Kojun ein: «Geld her oder ich werde dich töten!», drohte er. Kojun erwiderte ruhig: «Mein Geld ist dort drüben in der Schublade. Nimm es dir, aber vielleicht bist du so nett und läßt mir noch ein klein wenig übrig, da ich morgen noch etwas Reis einkaufen möchte.» Der Dieb war zwar sehr erstaunt, nahm sich dann aber doch fast das ganze Geld. Als er schon an der Tür war, sagte Kojun: «Wenn man etwas erhalten hat, sollte man sich auch dafür bedanken.» «Danke», erwiderte der Dieb kopfschüttelnd und verschwand. Wenig später wurde der Mann bei einem anderen Einbruch verhaftet, und er gestand, unter anderem auch den Zen-Meister bestohlen zu haben, der daraufhin zur Polizeiwache gerufen wurde. «Er hat auch euer Geld gestohlen, nicht wahr?», fragte der Polizist. «Oh nein, er hat mir nichts gestohlen. Ich gab ihm das Geld, und er bedankte sich dafür», sagte Kojun. Als der Mann seine wegen der anderen Vergehen gegen ihn verhängte Strafe verbüßt hatte, kam er zu Zen-Meister Kojun und bat darum, sein Schüler werden zu dürfen.

«Was tust du eigentlich, um dich zu entspannen?» fragt der Schüler seinen Meister. «Nichts», so der Meister. «Wenn ich gehe, gehe ich, wenn ich esse, esse ich, und wenn ich schlafe, schlafe ich.» «Aber das tun doch alle», der Schüler darauf. «Eben nicht!» die Antwort des Meisters.

Ein leidenschaftlicher Schachspieler war, als er anfing nach Befreiung zu suchen, jedesmal, wenn er eine Partie Schach verloren hatte, der Meinung, versagt zu haben. Nachdem er zwei Jahre bei einem berühmten Rabbi in die Lehre gegangen war, dachte er, er hätte versagt, wenn er gewonnen hatte. Daraufhin wurde er drei Jahre lang Schüler eines Sufi-Weisen und lernte, daß er, wenn er verlor, sich aber wegen des Verlierens gut fühlte, versagt hatte. Immer noch nicht zufrieden, ging er vier Jahre lang in den Himalaya und lernte von einem großen Yogi, daß er, wenn er gewann, sich aber deshalb schuldig fühlte, versagt hatte. Schließlich und endlich traf er auf einen Zen-Meister. Und was passierte innerhalb weniger Wochen? Er lernte endlich, wie man die Bauern richtig einsetzt!

In Korea gab es zur Zeit der Bürgerkriege einen ganz besonders grausamen General, der Menschen wahllos niedermetzelte und vor dessen Truppen alle flohen. Nur ein Zen-Meister machte keine Anstalten zu fliehen, als der General mit seinen Männern das Dorf einnahm. Der General ging in das Kloster, zog vor dem Meister sein Schwert und drohte: «Weißt du nicht, wer ich bin? Ohne mit den Wimpern zu zucken kann ich dich töten.» Der Zen-Meister erwiderte sanft: «Und du, weißt du nicht wer ich bin? Ich bin ein Mann, den man töten kann, ohne daß er mit der Wimper zuckt». Da verneigte sich der General und untersagte seinen Männern, das Dorf zu plündern.

Ein bereits älterer Mönch kam zu einem Zen-Meister und sagte: «Ich habe in meinem Leben eine Vielzahl von spirituellen Lehrern aufgesucht und nach und nach immer mehr Vergnügungen aufgegeben, um meine Begierden zu bekämpfen. Ich habe lange Zeit gefastet, jahrelang mich dem Zölibat unterworfen und mich regelmäßig kasteit. Ich habe alles getan, was von mir verlangt wurde, und ich habe wahrhaft gelitten, doch die Erleuchtung wurde mir nicht zuteil. Ich habe alles aufgegeben, jede Gier, jede Freude, jedes Streben fallengelassen. Was soll ich jetzt noch tun?» Der Meister erwiderte: «Gib das Leiden auf!»

Ein junger Mann suchte einen Zen-Meister auf: «Meister, wie lange wird es dauern, bis ich Befreiung erlangt habe?» «Vielleicht zehn Jahre», entgegnete der Meister. «Und wenn ich mich besonders anstrenge, wie lange dauert es dann?», fragte der Schüler. «In dem Fall kann es zwanzig Jahre dauern», erwiderte der Meister. «Ich nehme aber wirklich jede Härte auf mich. Ich will so schnell wie möglich ans Ziel gelangen», beteuerte der Mann. «Dann», erwiderte der Meister, «kann es bis zu vierzig Jahren dauern».

Ein Schüler kommt von einer Pilgerfahrt zurück, auf der er Satori hatte. Ehrfürchtig nähert er sich dem Meister, der ihn schweigend erwartet, und geht vor ihm auf die Knie. In dem Augenblick, in dem er den Kopf hebt und beginnen will, etwas zu sagen, sausen dreißig harte Stockschläge auf ihn nieder. «Aber Meister», fragt der Schüler erstaunt, «warum das? Ich habe doch noch kein einziges Wort gesagt.» Der Meister erwidert: «Hättest du auch nur ein Wort gesagt, es wäre zu spät gewesen».

«Der Hauptgrund, warum so viele Menschen leiden, liegt darin, daß sie eine Befriedigung aus ihrem Leiden ziehen», sagte der Meister und machte dies an einem Beispiel deutlich: Neulich fuhr ich in einem Schlafwagen. Unter mir lag ein Mann, der die ganze Zeit stöhnte: «Mein Gott, bin ich durstig; ich bin ja so durstig ...» So ging das die ganze Zeit. Schließlich stand ich auf, holte im Speisewagen ein Glas Wasser und brachte es dem Mann, der es dankbar annahm und in einem Zug leerte. Kaum lag ich wieder im Bett, da hörte ich wieder seine Stimme: «Mein Gott, war ich durstig, ach, wie war ich durstig ...»

Ein junger Zen-Mönch fragte spitzfindig seinen Meister: «Meister, muß man sich nicht erst verlaufen, um seinen Zielort zu finden!» Der Meister erwiderte: «Seit ich keinen Zielort mehr habe, verlaufe ich mich nicht mehr!»

Im Kloster wurden auch psychisch Kranke behandelt. Ein Besucher hörte hinter einer Tür einen Besucher wehklagen: «Ach, Yoko, Yoko ...» «Was hat der Mann für ein Problem», fragte er den Zen-Meister. «Nun, Yoko war die Frau, die seine Liebe nicht erhört hat», erklärte der Meister. Wenig später, hinter einer anderen Tür, hörte der Besucher wieder die Stimme eines Mannes: «Oh Yoko, Yoko ...» «Ist diese Yoko auch sein Problem», fragte der Besucher: «Ja», erwiderte der Meister, «ihn hat Yoko erhört und geheiratet».

Ein Schüler fragte Zen-Meister Philip Kapleau. «Was kann ein Zen-Meister mir geben?» Kapleau antwortete: «Er kann dir nichts geben, was du nicht schon hast, aber er kann dir vieles nehmen, was deiner wahren Natur fremd ist».

In Indien saß einst ein Einsiedler am Ufer des Flusses, als er von einem jungen Mann in seiner Meditation gestört wurde. Der junge Mann kniete nieder und sagte:
«Meister, ich will euer Schüler werden.»
«Weshalb?» fragte der Meister.
«Weil ich Gott finden will.»
Der Meister sprang auf, packte den jungen Mann am Genick, zerrte ihn zum Fluß und stieß seinen Kopf unter Wasser. Nach einer Weile ließ er den jungen Mann los und zog ihn aus dem Fluß. Der junge Mann spie das Wasser aus, das er geschluckt hatte, und fing an zu husten. Ein wenig später hatte er sich beruhigt.
«Was wolltest du am meisten, als ich dich unter Wasser hielt?» fragte der Meister.
«Luft», sagte der junge Mann.
«Gut», sagte der Meister. «Geh wieder dorthin, wo du hergekommen bist, und komm zu mir zurück, wenn du Gott genausosehr willst, wie du eben Luft wolltest».

Ein junger Novize, der eben ins Kloster aufgenommen worden war, sagte zu Zen-Meister Joshu: «Ich bin neu im Kloster, bitte zeigt mir den Weg.» Joshu fragte: «Hast du schon gefrühstückt?» Der Novize antwortete: «Ja, ich habe mein Frühstück bereits beendet.» Joshu sagte: «Dann geh und wasch deine Eßschalen.»
Joshu

Eines Tages begegnete Hotei einem Zen-Mönch,
und dieser fragte ihn: «Was ist das Geheimnis
des Zen?»
Hotei ließ sofort als stumme Antwort seinen Sack,
den er auf dem Rücken trug, zu Boden fallen und
breitete die Arme aus.
«Dann sage mir», fragte der Mönch, «worin besteht
die Verwirklichung des Zen?»
Sofort ergriff der "Lachende Buddha" seinen Sack,
warf ihn sich über die Schulter und ging seines
Weges, ohne sich noch einmal umzuschauen.

Einmal fragte ein Mönch den Zen-Meister Joshu: «Was ist dhyana?» Joshu gab eine ganz unerwartete Antwort: «Es ist Nicht-dhyana.» Noch einmal fragte der Mönch: «Wie kann dhyana Nicht-dhyana sein?» Joshu gab ihm keine theoretische Erklärung auf sein «Wie?», sondern sagte: «Es ist lebendig, lebendig.»

Einst fragte ihn [Joshu] ein Schüler: «Wenn ich nichts in meinem Geist habe, was soll ich dann tun?»
Joshu antwortete: «Wirf es hinaus.»
«Aber wenn ich gar nichts habe, wie kann ich es dann hinauswerfen?» fuhr der Frager fort.
«Nun», sagte Joshu, «dann trage es hinaus.»

Ikkyu, der Zen-Meister, war schon als Junge sehr klug. Sein Lehrer besaß eine wertvolle Teeschale, eine seltene Antiquität. Es geschah, daß Ikkyu diese Schale zerbrach, und er war sehr bestürzt darüber. Als er Schritte seines Lehrers hörte, hielt er die Stücke der Schale hinter sich. Der Meister erschien, und Ikkyu fragte: «Warum müssen die Menschen sterben?»
«Das ist natürlich», erklärte der alte Mann. «Alles muß sterben und lebt eben gerade so lange.»
Ikkyu zeigte die zerbrochene Schale und meinte: «Es war Zeit für Eure Schale zu sterben.»

Ein Mönch fragte Fuketsu: «Ohne zu sprechen, ohne zu schweigen, wie kann man da die Wahrheit ausdrücken?»
Fuketsu bemerkte: «Ich erinnere mich immer an den Frühling in Süd-China. Die Vögel singen inmitten unzähliger Arten von Blumen.»

Ein Philosoph fragte Buddha: «Willst du mir die Wahrheit sagen, ohne Worte, ohne Wortlosigkeit?»
Der Buddha schwieg.
Der Philosoph verneigte sich und dankte dem Buddha und sagte: «Durch deine Herzensgüte habe ich meine Täuschungen aufgeklärt und den wahren Pfad betreten.»
Nachdem der Philosoph gegangen war, fragte Ananda den Buddha, was dieser Mann erreicht habe.
Der Buddha antwortete: «Ein gutes Pferd läuft schon angesichts des Schattens einer Peitsche.»

Ein junger Arzt mit dem Namen Shotei fragte Ryokan: «Ich möchte reich sein. Wie kann ich zu mehr Geld kommen?» Ryokan antwortete ihm: «Sei einfach ein guter Arzt, und sei nicht geizig.»

Der Zen-Meister war mit einem Schüler in der Stadt unterwegs. Als sie an einem blinden Bettler vorbeikamen, sagte der Meister zu seinem Schüler: «Gib dem Mann ein Almosen!» Und der Schüler warf dem Mann eine Münze in den Hut. «Jetzt bedanke dich bei ihm», sagte der Meister. Der Schüler tat dies widerwillig und sagte wenig später: «Warum sollte ich mich verneigen, der Mann war doch blind?» Der Meister erwiderte: «Dies tut nichts zur Sache, die Verbeugung machst du für dich, und nicht für ihn. «Und», fügte er hinzu, «wer weiß, vielleicht ist der Mann ein Schwindler.»

Ein Gelehrter fragte den Zen-Meister Gudo: «Was geschieht mit einem erleuchteten Menschen nach seinem Tod?» Gudo erwiderte barsch: «Woher soll ich das wissen?» Der Gelehrte sagte: «Warum? Weil du ein Meister bist.» Gudo bemerkte daraufhin: «Ja, aber kein toter.»

Tanzan und Eikido wanderten einmal eine schmutzige Straße entlang. Zudem fiel noch heftiger Regen.
Als sie an eine Wegbiegung kamen, trafen sie ein hübsches Mädchen in einem Seidenkimono, welches die Kreuzung überqueren wollte, aber nicht konnte.
«Komm her, Mädchen», sagte Tanzan sogleich. Er nahm sie auf die Arme und trug sie über den Morast der Straße.
Ekido sprach kein Wort, bis sie des Nachts einen Tempel erreichten, in dem sie Rast machten. Da konnte er nicht länger an sich halten. «Wir Mönche dürfen Frauen nicht in die Nähe kommen», sagte er zu Tanzan, «vor allem nicht den jungen und hübschen. Es ist gefährlich. Warum tatest du das?»
«Ich ließ das Mädchen dort stehen», sagte Tanzan, «trägst du sie immer noch?»


"Meister, was ist der Weg?"
"Der Weg? Na, das da, hinter der Hecke."
"Ach, nein, ich meine doch den großen Weg."
"Der große Weg führt in die Hauptstadt."
(Joshu)

"Wenn man entschlossen den Weg praktiziert, können die karmischen Hindernisse aus der Vergangenheit dann verschwinden?"
"Sie können nicht verschwinden bei Leuten, die nicht in die Essenz schauen, aber bei denen, die in die Essenz sehen, verschwinden sie wie Tau oder Schnee an der Sonne.
Man mag zum Beispiel Gräser aufschichten, bis zur Höhe des höchsten Berges, aber sie verschwinden mit einem Schlag durch das Feuer. Für Leute, die in die Essenz sehen, sind die karmischen Hindernisse wie Gras und die Weisheit wie das Feuer.
(Hyakujo)

Ein Anhänger von Mokusen Hiki klagte bei diesem über den Geiz seiner Frau.
Mokusen besuchte sie daraufhin und hielt ihr die geballte Faust vor das Gesicht. "Was soll das wohl heißen?", fragte die überraschte Frau.
"Wenn meine Hand immer so wäre, was würdest Du sagen, was das ist?" "Verunstaltet." Dann öffnete er die Hand, wobei er die Frau ansah, "und wenn sie immer so wäre?" "Eine andere Art von Verunstaltung."
Wenn du so viel verstehst, dann bist du eine gute Frau, sprach Mokusen und ging.
Seitdem war die Frau manchmal sparsam, manchmal großzügig.
(Mokusen Hiki)

Gudo war der Lehrer des Kaisers seiner Zeit. Trotzdem pflegte er allein als wandernder Bettelmönch umherzureisen. Als er sich einst auf dem Weg nach Edo befand, dem kulturellen und politischen Zentrum der Shogun-Herrschaft, näherte er sich einem kleinen Dorf namens Takenaka. Es war Abend, und ein heftiger Regen stürzte hernieder. Gudo war durch und durch naß. Seine Strohsandalen waren aufgelöst. Im Fenster eines Bauernhofes nahe dem Dorf erblickte er vier oder fünf Paar Sandalen und beschloß, sich trockene zu kaufen. Die Frau, die ihm die Sandalen vorlegte, sah, wie naß er war, und lud ihn ein, über Nacht in ihrem Hause zu bleiben. Gudo nahm die Einladung an und bedankte sich. Er trat ein und rezitierte ein Sutra vor dem Familienschrein. Daraufhin wurde er der Mutter und den Kindern der Frau vorgestellt. Er bemerkte, daß die ganze Familie sehr bedrückt war, und fragte nach dem Grund. "Mein Mann ist ein Spieler und Trunkenbold", erzählte ihm die Frau. "Wenn er gewinnt, so trinkt er und wird unflätig. Wenn er verliert, so leiht er Geld von den anderen. Manchmal, wenn er sich völlig betrunken hat, kommt er nicht einmal nach Hause. Was kann ich nur tun?" "Ich will ihm helfen", sagte Gudo. "Hier ist etwas Geld. Beschaffe mir eine Gallone guten Weines und etwas Feines zu essen. Dann kannst du dich für die Nacht zurückziehen. Ich werde vor dem Schrein meditieren." Als der Hausherr um Mitternacht recht betrunken heimkehrte, brüllte er: "He, Frau, ich bin wieder da! Hast du was zu essen für mich?" "Ich habe etwas für dich", sagte Gudo. "Ich wurde vom Regen überrascht, und deine Frau war so freundlich, mich für diese Nacht aufzunehmen. Als Gegengabe habe ich etwas Wein und Fisch gekauft, also kannst auch du davon haben." Der Mann war entzückt. Er trank den Wein auf einmal aus und legte sich auf den Boden nieder. Gudo setzte sich in Meditation neben ihn. Am Morgen, als der Hausherr erwachte, hatte er die Geschehnisse der vergangenen Nacht vergessen. "Wer bist du? Wo kommst du her?" fragte er Gudo, der immer noch meditierte. "Ich bin Gudo aus Kioto, und ich bin auf dem Weg nach Edo", antwortete der Zen-Meister. Der Mann war äußerst beschämt. Überschwänglich entschuldigte er sich bei dem Lehrer seines Kaisers. Gudo lächelte, "Alles in diesem Leben ist vergänglich", erklärte er. "Das Leben ist sehr kurz. Wenn du weiterhin spielst und trinkst, wirst du keine Zeit übrig haben, um irgend etwas anderes zu vollbringen, und du wirst deine Familie zwingen, ebenfalls zu leiden." Das Bewußtsein des Hausherrn erwachte wie aus einem Traum. "Wie kann ich Euch diese wunderbare Belehrung jemals vergelten? Laßt mich Euch begleiten und Eure Sachen ein Stück weit für Euch tragen. " "Wenn du willst", stimmte Gudo zu. Die beiden brachen auf. Nachdem sie drei Meilen gegangen waren, sagte Gudo zu dem Mann, er solle zurückkehren. "Nur noch fünf Meilen", bat dieser. Sie gingen weiter. "Du solltest jetzt zurückkehren", schlug Gudo vor. "Noch zehn Meilen", antwortete der Mann. "Geh jetzt zurück", sagte Gudo, nachdem sie die zehn Meilen zurückgelegt hatten. "Ich will dir für den ganzen Rest meines Lebens folgen", erklärte der Mann. Moderne Zen-Lehrer in Japan entstammen der Linie eines berühmten Meisters, der Gudos Nachfolger war. Sein Name war Mu-nan, der Mann, der nie mehr zurückkehrte.

Zwanzig Mönche und eine Nonne, die Eshun hieß, übten die Meditation bei einem bestimmten Zen-Meister. Eshun war sehr hübsch, obwohl ihr Kopf geschoren und ihr Gewand einfach war. Mehrere Mönche verliebten sich heimlich in sie. Einer von ihnen schrieb ihr einen Liebesbrief und bat um ein Stelldichein. Eshun antwortete nicht. Am folgenden Tag gab der Meister der Gruppe eine Unterweisung, und nachdem diese vorüber war, erhob sich Eshun. Sie wandte sich an den Absender des Briefes und sagte: "Wenn du mich wirklich so sehr liebst, so komm und umarme mich jetzt."

Der Ex-Kaiser: "Gudo, was geschieht dem Mann der Erleuchtung und dem Mann der Illusion nach dem Tode?"
Gudo: " Wie sollte ich das wissen, mein Herr?"
Der Ex-Kaiser: "Nun, du bist doch der Meister!"
Gudo: "]a, aber kein toter!"

Ein junger Arzt in Tokio namens Kusuda traf einen Studienkameraden, der Zen studierte. Der junge Doktor fragte ihn, was Zen sei. "Ich kann dir nicht sagen, was es ist,", antwortete der Freund, "aber eines ist sicher: wenn du Zen verstehst, hast du keine Angst vor dem Sterben mehr." "Das ist gut", sagte Kusuda. "Ich will es versuchen. Wo kann ich einen Lehrer finden?" "Geh zu Meister Nan-in", sagte der Freund. Also ging Kusuda zu Nan-in. Er nahm einen langen Dolch mit sich, um festzustellen, ob der Lehrer Angst vor dem Sterben hatte oder nicht. Als Nan-in Kusuda erblickte, rief er: "Hallo, Freund. Wie geht es dir? Wir haben uns lange nicht gesehen!" Das verblüffte Kusuda und er antwortete: "Wir sind uns noch niemals zuvor begegnet." "Das stimmt", antwortete Nan-in. "Ich verwechselte dich mit einem anderen Arzt, der hier Unterricht erhält." Mit diesem Beginn hatte Kusuda die Gelegenheit verpasst, den Meister zu prüfen, und so fragte er widerwillig, ob er Zen-Unterricht erhalten könne. Nan-in sagte: "Zen ist keine schwierige Aufgabe. Wenn du ein Arzt bist, so behandle deine Patienten mit Güte. Das ist Zen." Kusuda besuchte Nan-in dreimal. Jedes mal sagte ihm Nan-in dasselbe. "Ein Arzt sollte nicht seine Zeit hier vergeuden. Geh" heim und kümmere dich um deine Patienten." Kusuda leuchtete nicht ein, wie solch eine Lehre die Angst vor dem Sterben beseitigen sollte. So beklagte er sich beim vierten Besuch: "Mein Freund sagte mir, dass man, wenn man Zen erlernt, die Furcht vor dem Tode verliert. Jedes mal, wenn ich hierher komme, ist alles, was Sie mir sagen, ich solle mich um meine Patienten kümmern. So viel weiß ich selbst auch. Wenn dies das sogenannte Zen ist, so will ich Sie nicht weiterhin besuchen." Nan-in lächelte und tätschelte den Doktor. "Ich war zu streng mit dir. Ich will dir ein Koan geben." Er bot Kusuda Joshus "Mu" als Aufgabe, das erste der Geist erleuchtenden Rätsel aus dem Buch "Das torlose Tor". Kusuda grübelte über diesem Problem des Mu (Nichts) zwei Jahre lang. Endlich dachte er, er habe die Gewissheit des Geistes erlangt. Aber sein Lehrer stellte fest: "Du bist noch nicht drin." Kusuda setzte seine Übung der Konzentration weitere anderthalb Jahre lang fort. Sein Geist wurde gelassen. Die Probleme lösten sich auf. Nichts wurde Wirklichkeit. Er diente seinen Patienten aufs beste, und ohne es zu wissen, war er frei von Beunruhigung um Leben und Tod. Als er Nan-in wieder besuchte, lächelte sein alter Lehrer nur.

In Tokio lebten in der Meiji-Zeit zwei berühmte Lehrer von unterschiedlichem Charakter. Der eine, Unsho, ein Shingon-Lehrer, hielt die Regeln des Buddha peinlich genau ein. Er trank niemals berauschende Getränke, noch aß er nach elf Uhr morgens. Der andere Lehrer, Tanzan, ein Professor der Philosophie an der Kaiserlichen Universität, beachtete diese Regeln nie. Wenn er Lust hatte, zu essen, so aß er, und wenn er Lust hatte, tagsüber zu schlafen, so schlief er. Eines Tages besuchte Unsho den Tanzan, der gerade Wein trank, von dem eigentlich kein Tropfen die Lippen eines Buddhisten berühren sollte. "Hallo, Bruder", begrüßte ihn Tanzan, "möchtest du nicht einen Schluck trinken?" "Ich trinke niemals", erklärte Unsho feierlich. "Wer nicht trinkt, ist kein Mensch", sagte Tanzan. "Glaubst du, du kannst mich unmenschlich nennen, nur weil ich nicht berauschenden Getränken fröne", ereiferte sich Unsho ärgerlich. "Wenn ich nicht menschlich bin, was bin ich denn dann?" "Ein Buddha", antwortete Tanzan.

Der Zen-Meister Hoshin lebte viele Jahre in China. Dann kehrte er in den nordöstlichen Teil Japans zurück, wo er seine Schüler unterrichtete. Als er sehr alt geworden war, erzählte er ihnen eine Geschichte, die er in China gehört hatte. Dies ist die Geschichte: Eines Jahres, am 25. Dezember, sagte Tokufu, der sehr alt war, zu seinen Schülern: "Ich werde nächstes Jahr nicht mehr am Leben sein. Darum solltet ihr Jungen mich dieses Jahr gut behandeln." Die Schüler dachten, er scherze, aber da er ein großherziger Lehrer war, gab einer nach dem anderen an jedem Tag bis zum Jahresende ein Fest. Am Vorabend des Neuen Jahres stellte Tokufu fest: "Ihr wart gut zu mir. Ich werde euch morgen nachmittag verlassen, wenn es aufgehört hat zu schneien." Die Schüler lachten und dachten, er sei alt geworden und rede Unsinn, denn die Nacht war klar und schneefrei. Aber um Mitternacht begann der Schnee zu fallen, und am nächsten Tag konnten sie ihren Lehrer nicht finden. Sie gingen in die Meditationshalle. Dort war er von ihnen gegangen. Hoshin, der diese Geschichte erzählt hatte, sagte zu seinen Schülern: "Es ist für einen Zen-Meister nicht nötig, sein Sterben vorauszusagen, aber wenn er wirklich will, so kann er es." "Könnt Ihr es?" fragte ihn jemand. "Ja", antwortete Hoshin. "In sieben Tagen will ich zeigen, was ich kann." Keiner der Schüler glaubte ihm, und die meisten hatten das Gespräch schon vergessen, als Hoshin sie ein nächstes Mal zusammenrief. "Vor sieben Tagen", stellte er fest, "sagte ich, daß ich euch verlassen würde. Es ist Sitte, ein Abschiedsgedicht zu schreiben, aber ich bin weder ein Dichter noch einer, der die Kalligraphie beherrscht. Einer von euch möge meine letzten Worte aufzeichnen." Seine Anhänger dachten, er scherze, aber einer von ihnen machte sich bereit, zu schreiben. "Bist du fertig?" fragte Hoshin. "Jawohl", antwortete der Schreiber. Und Hoshin diktierte: Ich komme aus dem Glanz und kehre in den Glanz zurück. Was ist das? Das Gedicht war um eine Zeile zu kurz, da es der Tradition nach vier Zeilen haben mußte. Also sagte der Schüler: "Meister, uns fehlt eine Zeile." Hoshin schrie mit dem Gebrüll eines siegreichen Löwen "Kaa!" und verschied.

Die Reden des Meisters Bankei fanden nicht nur bei Zen-Schülern, sondern auch bei Leuten aller Ränge und Sekten große Beachtung. Niemals zitierte er Sutras oder schwelgte in gelehrten Dissertationen. Statt dessen sprach er seine Worte direkt aus seinem Herzen zu den Herzen seiner Zuhörer. Diese große Zuhörerschaft ärgerte einen Priester der Nichiren-Sekte, weil seine Anhänger ihn verlassen hatten, um von Zen zu hören. Der selbstsüchtige Nichiren-Priester ging in den Tempel, entschlossen, sich mit Bankei auseinanderzusetzen. "He, Zen-Lehrer!" schrie er. "Warte eine Minute. Wer dich achtet, soll sich deinem Wort unterwerfen, aber ein Mann wie ich achtet dich nicht. Kannst du mich dazu bringen, dir zu gehorchen?" "Komm her zu mir, und ich will es dir zeigen", sagte Bankei. Stolz bahnte sich der Priester einen Weg durch die Menge zu dem Zen-Lehrer. Bankei lächelte. "Komm an meine linke Seite." Der Priester gehorchte. "Nein", sagte Bankei, "wir können wohl besser reden, wenn du auf der rechten Seite bist. Geh hier herüber." Der Priester trat stolz auf die rechte Seite hinüber. "Du siehst", bemerkte Bankei, "du gehorchst mir, und ich glaube, daß du ein sehr liebenswürdiger Mensch bist. Nun setz dich und höre zu."

Juin, ein Shingon-Meister, war ein berühmter Sanskrit-Gelehrter der Tokugawa-Zeit. Als er jung war, pflegte er seinen Mitstudenten Unterricht zu geben. Seine Mutter hörte davon und schrieb ihm einen Brief: "Sohn, ich glaube nicht, dass Du ein liebender Verehrer des Buddha wirst, da es Dich danach verlangte, ein lebendes Lexikon für andere zu sein. Es gibt kein Ende der Informationen und der Kommentare, des Ruhmes und der Ehre. Ich wollte, Du würdest mit diesem Unterrichtsgeschäft aufhören. Schließ Dich in einen kleinen Tempel an einem abgelegenen Ort in den Bergen ein. Widme deine Zeit der Meditation und erlange auf diesem Weg die wahre Verwirklichung."

Ein Universitätsstudent, der Gasan besuchte, fragte ihn: "Haben Sie jemals die christliche Bibel gelesen?" "Nein, lies sie mir vor", sagte Gasan. Der Student öffnete die Bibel und las aus dem Matthäus-Evangelium: "Und warum sorgt ihr euch um Kleidung? Betrachtet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen; sie arbeiten nicht und spinnen nicht, und doch sage ich euch: Selbst Salomon in all seiner Pracht war nicht gekleidet wie eine von ihnen . . . Sorgt euch darum nicht ängstlich um den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. " Gasan sagte: "Wer solche Worte aussprach, ist meiner Meinung nach ein erleuchteter Mensch." Der Student fuhr fort zu lesen: "Bittet, und es wird euch gegeben werden; suchet, und ihr werdet finden, klopfet an, und es wird euch aufgetan werden. Denn wer bittet, empfängt; wer suchet, der findet; wer anklopft, dem wird aufgetan werden." Gasan bemerkte: "Das ist ausgezeichnet. Wer das sagte, ist nicht fern der Buddhaschaft."

Jemand, der durch die chinesischen Viertel amerikanischer Städte geht, kann dort Statuen von einem beleibten Mann finden, der einen Leinensack trägt. Chinesische Kaufleute nennen ihn den Glücklichen Chinesen oder den Lachenden Buddha. Dieser Hotei lebte in der Tang-Dynastie. Er hatte kein Verlangen danach, sich selbst einen Zen-Meister zu nennen oder viele Schüler um sich zu versammeln. Statt dessen ging er durch die Straßen mit einem großen Leinensack, in den er die Geschenke von Zucker, Früchten oder Krapfen steckte. Diese gab er den Kindern, die sich spielend um ihn scharten. Er errichtete einen Kindergarten auf der Straße. Wann immer er einem Zen-Anhänger begegnete, streckte er seine Hand aus und sagte: "Gib mir eine Münze." Und wenn jemand ihm vorschlug, in einen Tempel zurückzukehren und andere zu belehren, so antwortete er ebenfalls: "Gib mir eine Münze." Einmal war er wieder bei seiner Spiel-Arbeit, da ging ein Zen-Meister vorbei und wollte wissen: "Was ist die Bedeutung des Zen?" Hotei ließ augenblicklich als schweigende Antwort seinen Sack auf den Boden fallen. "Also nun", fragte der andere, "was ist die Vergegenwärtigung des Zen?" Augenblicklich schwang der Glückliche Chinese seinen Sack über die Schulter und ging weiter.

Wenn man zum Obaku-Tempel in Kioto geht, so sieht man über dem Tor die Worte eingraviert: "Der erste Ursprung". Die Zeichen sind ungewöhnlich groß, und jene, die etwas von Kalligraphie verstehen, bewundern sie als ein Meisterwerk. Sie wurden von Kosen vor zweihundert Jahren gemalt. Der Meister schrieb sie auf Papier, und Handwerker stellten eine größere Holzschnitzerei davon her. Als Kosen die Zeichen entwarf, befand sich ein vorlauter Schüler bei ihm, der mehrere Liter Tinte für die Kalligraphie hergestellt hatte und es nie versäumte, seines Meisters Arbeit zu kritisieren. "Das ist nicht gut", sagte er zu Kosen nach dem ersten Versuch. "Und wie ist dieses hier?" "Armselig. Schlechter als das vorige", verkündete der Schüler. Kosen beschrieb geduldig ein Blatt nach dem anderen, bis sich vierundachtzig Erste Ursprünge angesammelt hatten, noch immer ohne den Beifall des Schülers. Als der junge Mann für einige Augenblicke hinausging, dachte Kosen: "Das ist meine Chance, seinen scharfen Augen zu entgehen", und er schrieb eilig und mit einem Geist, der frei war von Ablenkung: "Der erste Ursprung". "Ein Meisterwerk", erklärte der Schüler.

Joshu: Was ist der wahre Weg?
Nansen: Der alltägliche Weg ist der wahre Weg
Joshu: Wie kann ich ihn erlernen.
Nansen: Je mehr du ihn erlernst desto weiter kommst du vom Weg ab.
Joshu: Wenn ich ihn nicht erlerne, wie kann ich ihn dann erkennen?
Nansen: Der Weg gehört weder zu den bekannten Dingen, noch zu den unbekannten.
Suche ihn nicht, lerne ihn nicht, benenne ihn nicht und du bist auf dem Weg.

Riko, ein hoher Beamter, sehr philosophisch, bat einmal den eigenwilligen Zen-Meister Nansen, ihm das alte Koan von der Gans ist in der Flasche zu erklären.
"Wenn man ein Gänseküken in eine Flasche steckt", sagte Riko, "und es füttert, bis es ausgewachsen ist, wie kann man dann die Gans herausholen, ohne sie zu töten oder die Flasche zu zerbrechen?"
Nansen klatschte kräftig in die Hände
und rief: "RIKO!"
"Ja, Meister", schreckte der Beamte auf.
"Siehst du", sagte Nansen, "die Gans ist draußen."

Einer Katze wegen stritten sich einmal die Mönche von der östlichen mit denen von
der westlichen Zen-Halle.
Nansen hielt die Katze hoch und sagte:
"Ihr Mönche!
Kann einer von euch ein Wort sagen, will ich die Katze schonen.
Könnt ihr es nicht, ist sie dem Schwert verfallen."
Niemand konnte antworten, so dass Nansen schließlich die Katze erschlug.

Als Jôsh? am Abend heimkam, erzählte ihm Nansen, was geschehen war.
Daraufhin nahm Jôsh? seine Sandalen, legte sie auf den Kopf und ging davon.
Nansen sagte: "Wärest du hier gewesen, hätte ich die
Katze verschonen können.

 

 





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