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Grundidee



Der Weg zu sich selbst

Achtsamkeit heißt, in jedem Moment präsent und wach zu sein. Dies heißt also im Hier und Jetzt, voll und ganz in der Gegenwart zu leben: nicht mit den Gedanken in die Vergangenheit und nicht in die Zukunft abzuschweifen.
Die bewusste Entscheidung dazu, jeden Augenblick des Tages mit etwa gleichbleibend hoher Wachheit und bewusst aktivierter Aufmerksamkeit wahrzunehmen, ist für eine achtsame Lebenshaltung erforderlich. Insbesondere die Gefühle erfordern eine hohe Achtsamkeit. Unangenehme Gefühle wie Ärger, Angst oder Trauer können durch die Haltung konstanter Achtsamkeit registriert und verfolgt werden. Allein dadurch werden diese Gefühle bewältigt und in ihrer erlebten inneren Ausprägung abgeschwächt.
Im Ergebnis führt die achtsame Lebens- und Geisteshaltung in Form der Achtsamkeitsmeditation bzw. Vipassana-Meditation zu einem unverfälschten und detaillierten Erfassen des Kerns der Dinge und damit zu vorurteils- und vorerfahrungsfreier unmittelbarer und bewusster Einsicht.
Achtsam durchs Leben gehen heißt wach und bewusst für das zu sein, was im Moment ansteht. Dieses Prinzip wurde in der Menschheitsgeschichte am differenziertesten im Zen ausentwickelt. Es geht eben darum im Hier und Jetzt zu denken, zu handeln, eben zu leben. Dadurch erlangen wir eine neue Form der Selbstbestimmung und lassen uns nicht zerreiben zwischen den Anforderungen des Alltags, die an uns gestellt sind.
Ein wesentliches Ziel hierbei ist es, sich gemäß der eigenen inneren Geschwindigkeit durch das Leben zu bewegen und dies dazu noch fokussiert. Möglich wird diese innere Sammlung und Fokussierung durch kurze Achtsamkeitsübungen verteilt über den Tag, die dazu führen, den Bezug zu sich selbst immer wieder lebendig zu halten und durch diese kurzen "Atempausen" immer wieder auf den wesentlichen Kern der eigenen Tagesziele und Lebensführung zurückzufinden.

Achtsamkeit heißt...

Mit Achtsamkeit ist diejenige wohlwollend-akzeptierende, innere Grundhaltung/geistige Einstellung gemeint, die sich mit Hilfe einer besonderen Form der Aufmerksamkeitslenkung (=des Innehaltens und Wahrnehmens) um ein bewusstes (=absichtsvolles, aufmerksames), nicht wertendes (=unvoreingenommenes, liebevolles) Beobachten/Erfahren aller Bewusstseinsinhalten (wie Gedanken, Emotionen, körperlichen Empfindungen und Wahrnehmungen von der Umwelt) im gegenwärtigen Augenblick bemüht.

Achtsamkeit („einfach da sein“) ist eigentlich natürlicherweise vorhanden, muss aber manchmal wieder trainiert und verfeinert werden (z.B., wieder lernen eine Sache zu einem Zeitpunkt zu machen), wenn die Zustände der geistigen Zerstreuung bzw. der automatisierten Reaktionen den Alltag zu sehr dominieren.


Definitionen

1. Innere Achtsamkeit ist eine besondere Form seine Aufmerksamkeit zu lenken: bewusst (absichtsvoll), im gegenwärtigen Augenblick und ohne dabei Wertungen vorzunehmen.

Achtsamkeit ist natürlicher Weise vorhanden, kann aber trainiert und verfeinert werden.

2. Bei der inneren Achtsamkeit geht es darum, zum „ inneren Beobachter“ von sich selbst zu werden, so dass man die Möglichkeit hat, schon sehr frühzeitig kleine Rückfallsignale an sich selbst wahrzunehmen und automatisierte Reaktionsmuster (z.B. überforderndes Verhalten, negatives Denken) zu unterbrechen.

Dadurch entsteht eine Distanz zwischen Wahrnehmung und Reaktion, so dass man die Wahlfreiheit bekommt, sich entweder für die radikale Akzeptanz oder für das aktive Verändern der Situation zu entscheiden.


Der Autopilot

Manchmal sitzen wir im Auto und fahren viele Kilometer „im Autopilot“, ohne uns wirklich dessen bewusst zu sein, was wir tun. Auf ähnliche Weise sind wir vielleicht in einem Großteil unseres Lebens von einem Augenblick zum anderen nicht wirklich „gegenwärtig“. Oft können wir „weit weg sein“, ohne dass wir es überhaupt bemerken. Im Autopilot ist es wahrscheinlicher, dass „unser Alarmknopf gedrückt wird“: Durch Ereignisse in unserer Umwelt sowie Gedanken, Gefühle und Empfindungen in unserem Verstand (derer wir uns häufig kaum bewusst sind) können alte Denkgewohnheiten ausgelöst werden, die häufig nicht hilfreich sind und zu einer Verschlechterung unserer Stimmung führen können.

Erklärung des Autopiloten

Wenn wir uns unsere Gedanken, Gefühle und körperlichen Empfindungen von einem Augenblick zum anderen stärker bewusst machen, dann bekommen wir dadurch mehr Freiheit und Wahlmöglichkeiten; wir müssen uns nicht immer in denselben alten „geistigen Spuren“ bewegen, durch die in der Vergangenheit schon Probleme verursacht wurden. Das Ziel dieses Moduls besteht darin, unsere Aufmerksamkeit zu verstärken, damit wir dann über Wahlmöglichkeiten verfügen, wie wir auf Situationen reagieren wollen, anstatt einfach automatisch reagieren zu müssen. Wir können dies erreichen, indem wir üben uns bewusst zu machen, worauf unsere Aufmerksamkeit gerichtet ist und den Fokus dieser Aufmerksamkeit absichtlich verändern, und zwar immer wieder. Zu Beginn setzen wir unsere Aufmerksamkeit gegenüber verschiedenen Teilen des Körpers als einen Fokus ein, durch den unser Bewusstsein im Augenblick verankert wird. Wir werden uns auch darin üben, wie wir unsere Aufmerksamkeit und unser Bewusstsein willentlich an verschiedene Orte lenken können. Dies ist das Ziel der Atemübung.

Innere Achtsamkeit und Depression

Bei vielem was wir im Alltag tun, sind wir nicht "bewusst" dabei, wir sind also im Autopilotenmodus. Durch das Training der Achtsamkeit sollen uns Aspekte unseres Lebens - positiv wie negativ - bewusster werden.
Nichtbewusstsein von positiven Aspekten führt dazu, dass unser Leben nicht so reich ist, wie es eigentlich sein könnte, Nichtbewusstheit von negativen Aspekten, dass wir nicht gut und angemessen auf diese Aspekte reagieren können.
Bei der inneren Achtsamkeit geht es darum, zum " inneren Beobachter" seiner selbst zu werden, so dass man die Möglichkeit hat, schon sehr frühzeitig kleine Rückfallsignale an sich selbst wahrzunehmen und automatisierte Reaktionsmuster (z.B. überforderndes Verhalten, negatives Denken usw.) zu unterbrechen.
Dadurch entsteht eine Distanz zwischen Wahrnehmung und Reaktion, so dass man die Wahlfreiheit bekommt, sich entweder für die radikale Akzeptanz oder für das aktive Verändern der Situation zu entscheiden.

 

Achtsamkeit und Abhängigkeitserkrankungen

In Situationen, in denen der Autopilot aktiv ist, hat der Suchtdruck die Chance, das Ruder zu übernehmen und den Substanzrückfall einzuleiten. Die "innere Route" ist durch eingefahrene Muster und durch den Weg des geringsten Widerstandes vorprogrammiert. Der Körper macht sein Ding, während der Geist mit ganz anderen Dingen beschäftigt ist. In solch einer Situation hätten wir quasi unsere Selbstbestimmtheit an den Suchtdruck abgegeben sowie an alte gewohnheitsmäßig ablaufende gedankliche und Gefühlsmuster.
Wenn wir Craving und starken Druck verspüren, Suchtstoffe zu konsumieren, begeben wir uns oftmals in unseren "automatischen Piloten", d.h. wir reagieren darauf ohne volles Bewusstsein des Geschehens und der Konsequenzen.
Der Weg hier heraus ist der "innere Beobachter". Craving und Gedanken an Konsum sind wie bei der Atemübung nichts weiter als störende Gedanken, Gefühle und körperliche Veränderungen. Wir registrieren sie und dann lassen wie sie vorbeiziehen. Entscheidend ist nicht ein Gefangener dieser Gedanken, Gefühle und körperlichen Veränderungen zu sein, sondern durch Atemübungen herauszutreten und diese sehr drängenden und quälenden Gedanken, Gefühle und körperlichen Veränderungen vorbeiziehen zu lassen. Diese Achtsamkeitsübungen ermöglichen es, einen neuen inneren Kern herzustellen und nicht dem Suchtdruck nachgeben zu müssen. In diesem Sinn ermöglicht Achtsamkeit eine größere Entscheidungsfreiheit.
Ziel ist es, sich nicht im Autopiloten vom Suchtdruck steuern zu lassen, sondern als "innerer Beobachter" zuzusehen wie diese Gedanken, Gefühle und körperlichen Veränderungen kommen und gehen. Dadurch erzeugen wir Wahlfreiheit, nicht mehr in alte Muster zu verfallen, die zum Substanzrückfall führen können, sondern innere Freiheit zu entwickeln, die alternative Handlungen im Sinne einer ansteckenden Gesundheit ermöglicht.





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